statable Statistik für Studium und Forschung

Offene Antworten ordnen (Freitexte kategorisieren)

Kurz

Kurze Freitexte aus dem Fragebogen (zum Beispiel „Was hat im Seminar gefehlt?“) lassen sich nicht direkt zählen. Hier werden sie in Kategorien eingeteilt: Die auswertende Person legt die Kategorien fest und ordnet jede Antwort zu; Statable zählt, zeigt die Häufigkeiten und schreibt auf Wunsch Spalten in die Daten, mit denen sich weiterrechnen lässt (zum Beispiel die Kategorie nach Studiengang). Statable ordnet nichts selbst zu: keine KI, und kein Text wird verschickt.

So sieht die Tabelle aus

Eine Zeile je Person und eine Textspalte mit der Antwort (eine Antwort je Zeile). Hilfreich ist eine Kennungsspalte (Nr, ID): Über sie erkennt Statable die Zeilen wieder; ohne Kennung zählt die Zeilennummer. Das Ergebnis sind neue Spalten: bei einer Kategorie je Antwort eine Gruppenspalte mit den Codes 1 bis k und den Kategorien als Wertebeschriftung, bei mehreren Kategorien je Antwort (unter „Weitere Wege“) je Kategorie eine 0/1-Spalte, die als Mehrfachantworten-Set angelegt wird.

Ablauf

  1. Eine Auswahl der Antworten lesen und Kategorien anlegen. Induktiv heißt: die Kategorien entstehen aus dem Material; deduktiv: sie kommen aus Theorie oder Fragestellung. Oft ist es eine Mischung (Kuckartz & Rädiker, 2022; Mayring, 2022).
  2. Je Kategorie eine Kurzbeschreibung und ein Ankerbeispiel festhalten (Kodierleitfaden). Er sagt, was in die Kategorie gehört, und hilft einer zweiten Person, genauso zuzuordnen.
  3. Antworten zuordnen: eine nach der anderen oder als Liste, per Klick oder mit den Tasten 1 bis 9 (0 nimmt die Zuordnung zurück). Die Tasten gelten nur, solange der Fokus in der Zuordnung liegt, nie in einem Textfeld.
  4. Den Zähler beachten: wie viele Personen ohne Antwort, wie viele Antworten noch offen.
  5. „In die Daten übernehmen“ schreibt die Spalten (ein Rückgängig-Schritt). Danach führt „Jetzt auswerten“ zur Frage „Wie verteilt sich etwas?“.

Drei Zustände je Zeile

Jede Zeile ist in genau einem von drei Zuständen: keine Antwort (leerer Text), Antwort noch offen oder zugeordnet. Leer und offen gelten als fehlend: Sie werden gezählt und nie still mit „keine Kategorie“ oder 0 gefüllt. Wer „passt nirgends“ festhalten will, legt eine Kategorie „Sonstiges“ an.

Ergebnis lesen

Zweitkodierung und Übereinstimmung

Eine einzelne Person kodiert subjektiv. Darum ordnet eine zweite Person dieselben Antworten mit denselben Kategorien zu, ohne die erste Zuordnung zu sehen. „Zweite Kodierung anlegen“ erzeugt dafür eine eigene Zuordnung; bei der zweiten Kodierung ist die erste verborgen. Sind beide Kodierungen in die Daten übernommen, öffnet „Übereinstimmung prüfen“ die Frage „Stimmen Beurteilungen überein?“ mit beiden Spalten (Cohens Kappa, Krippendorffs Alpha). Bei mehreren Kategorien je Antwort wird je Kategorie geprüft. Für eine wirklich unabhängige Kodierung arbeitet die zweite Person in einer eigenen Kopie der Projektdatei.

Voraussetzungen und Grenzen

Von 31 Antworten mit Zuordnung nannten 12 Personen (38,7 %) den Praxisbezug; 2 Antworten waren noch offen.

Für Fachleute

Eigener Code, keine Teststatistik. Prozent der Personen = Antworten mit der Kategorie / Antworten mit mindestens einer Kategorie; Prozent der Nennungen = n / Summe aller Zuordnungen. Eine Kategorie je Antwort: Codes 1 bis k in der Reihenfolge der Kategorienliste, fehlend für leer und offen. Mehrere: 0/1 je Kategorie (1 zugeordnet, 0 beantwortet mit anderer Kategorie, fehlend leer oder offen), Mehrfachantworten-Set mit Zählwert 1. Die Sollwerte stammen aus R (Skript scripts/welle4-erwartet.R); die in PSPP erzeugten Spalten sind dagegen geprüft. Die Übernahme ist ein PSPP-Befehl (COMPUTE und IF mit $CASENUM, VALUE LABELS, VARIABLE LEVEL).

Typische Beispiele

Quellen

Kuckartz, U. & Rädiker, S. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz (Kap. 3 und 4). Beltz Juventa. Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Beltz.

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