Wie passen Zahlen und Aussagen zusammen? (Fälle vergleichen, Mixed Methods)
Kurz
Die Fallvergleichstabelle (Case Comparison Table) stellt jeden Fall in eine Zeile: links die Zahlen und Gruppen, daneben die Aussagen, zum Beispiel ein Interviewzitat. Aus den Zahlen entsteht ein erster Vorschlag für Gruppen. Die Texte zu lesen, Fälle umzusortieren und die Gruppen zu deuten gehört zur Methode. Statable beschreibt dabei nur; es testet nichts und rechnet kein p.
Wofür das gut ist
Zu denselben Personen liegen Zahlen (etwa eine Note oder ein Fragebogenwert) und Texte (Interview, offene Antwort) vor. Gefragt ist, wie beides zusammenpasst: Bestätigen die Aussagen das Zahlenprofil, oder erklären sie, warum Personen mit gleichem Zahlenprofil verschieden sind (Schoonenboom und Johnson, 2021)? Der Ablauf:
- Eine Zeile je Fall, Zahlen und Texte nebeneinander.
- Erste Gruppen aus den Zahlenwerten (Statable teilt Zahlenspalten am Median, Gruppenspalten nach ihren Stufen).
- Die Zitate lesen: Passen sie zur Gruppe? Erklären sie Unterschiede bei gleichem Zahlenprofil? Wichtige Stellen markieren.
- Deuten und in der Notiz der Gruppe eine vorläufige Hypothese festhalten.
- Fälle verschieben, Gruppen umbenennen oder neu anlegen und wieder lesen.
Zu unterscheiden sind echte qualitative Daten (Interviewtext) und in Zahlen umgewandelte (kodiert, gezählt): Die Tabelle bringt beide zusammen, ersetzt aber keine Analyse der Texte (Schoonenboom, 2023). Transkribieren und Kodieren langer Texte bleibt bei MAXQDA, ATLAS.ti, QCAmap oder QualCoder.
Voraussetzungen
- Eine Zeile je Fall. Gebraucht werden 1 bis 4 Spalten mit Zahlen oder Gruppen und 1 bis 3 Textspalten.
- Eine Kennungsspalte ist optional, aber ratsam: Mit ihr bleiben Gruppen, Notizen und Markierungen erhalten, wenn sich die Zeilen ändern. Ohne Kennung gilt die Zeilennummer der Daten.
- Der Fallvergleich ist für überschaubar viele Fälle gedacht: ab 500 Fällen mit Hinweis, über 3000 nicht mehr. Texte bis 32.767 Zeichen werden vollständig gezeigt.
- Absätze in langen Antworten werden beim Einlesen zu Leerzeichen.
- Aus MAXQDA lassen sich Dokumentvariablen und Segmente als Excel-Tabelle exportieren und in Statable öffnen.
Ergebnis lesen
- Die Tabelle zeigt jeden Fall mit seiner Gruppe, den Zahlen und den vollständigen Texten. Ein Klick auf eine Überschrift sortiert (nur die Anzeige). In der Spalte „Gruppe“ wird gewählt, wohin ein Fall gehört; „Rückgängig“ nimmt die letzte Änderung zurück.
- Der Vorschlag teilt eine Zahlenspalte am Median: „bis“ schließt den Wert selbst ein. Liegen mehrere Fälle genau auf dem Median, werden die Gruppen ungleich groß; Statable nennt beide Größen. Unter „Weitere Wege“ lässt sich eine eigene Schwelle setzen. Fälle mit fehlender Angabe bilden eigene Gruppen „ohne Angabe bei …“.
- Je Gruppe stehen n, Mittelwert, Standardabweichung (mit n − 1; bei einem Fall „-“), Median und kleinster bis größter Wert, bei Gruppenspalten die Häufigkeiten mit Prozent der Fälle mit Angabe. Sie rechnen sich bei jeder Verschiebung neu.
- Zitate werden markiert: die ganze Antwort mit einem Knopf, ein Satzteil durch Auswählen des Textes. Die Notiz je Gruppe hält die Deutung fest.
Ergebnis berichten
Im Bericht steht ein Joint Display (Guetterman, Fetters und Creswell, 2015): eine Zeile je Gruppe mit der Zahl der Fälle, den Kennwerten, den markierten Zitaten und der Notiz. Word, PDF und Excel enthalten sie; Excel dazu die volle Tabelle aller Fälle.
Die 16 Fälle wurden am Median von Praktikumsnote und Selbstwirksamkeit in Gruppen eingeteilt; die Gruppen wurden anhand der Interviewaussagen gelesen, angepasst und gedeutet (Schoonenboom und Johnson, 2021).
Grenzen
- Die Tabelle beschreibt diese Fälle. Sie prüft nichts und lässt sich nicht auf andere Personen übertragen; es gibt kein p, kein Konfidenzintervall und keine Effektstärke.
- Die Gruppen sind eine Deutung der Forschenden, kein Befund. Die Teilung am Median ist ein Startpunkt: Eine andere Schwelle ergibt andere Gruppen.
- Statable ordnet die Gruppen nicht mit künstlicher Intelligenz und kodiert keine Texte; das Lesen bleibt Sache der Forschenden.
Quelle
- Schoonenboom, J. und Johnson, R. B. (2021): Fallvergleichstabelle (Case Comparison Table), in: The Routledge Reviewer's Guide to Mixed Methods Analysis.
- Schoonenboom, J. (2023): Forum Qualitative Sozialforschung, 24(1).
- Guetterman, T. C., Fetters, M. D. und Creswell, J. W. (2015): Integrating quantitative and qualitative results in health science mixed methods research through joint displays. Annals of Family Medicine, 13(6), 554-561.