Reliable Change Index (verlässliche Veränderung je Person)
Kurz
Wofür: Der Reliable Change Index (RCI) zeigt je Person, ob sich der Wert zwischen zwei Messungen stärker verändert hat, als der Messfehler des Tests erwarten lässt (Jacobson & Truax, 1991). Er steht unter „Weitere Wege“ in der Frage „Hat sich etwas verändert?“. RCI = (nachher − vorher) / S_diff mit S_diff = √2 · SD₁ · √(1 − r); SD₁ ist die Standardabweichung der Vorher-Werte. Bei |RCI| > 1,96 gilt die Veränderung als verlässlich.
Pflichtangaben
- Reliabilität r: Die Retest-Reliabilität ist die eigentliche Wahl, meist aus dem Testhandbuch (Korrelation zweier Messungen bei unveränderten Personen). Cronbachs Alpha aus den Daten ist nur ein Ersatz: Es misst die innere Konsistenz, nicht die Stabilität über die Zeit, und fällt meist höher aus; Veränderungen gelten dann früher als verlässlich. Die Quelle der Reliabilität steht im Ergebnis.
- „Hohe Werte sind besser“ oder „schlechter“: Davon hängt ab, ob eine Zunahme als Verbesserung oder Verschlechterung zählt. Statable rät das nicht.
Ergebnis lesen
- Der Satz nennt, wie viele Personen sich verlässlich verbessert, verschlechtert oder nicht verlässlich verändert haben. Genau |RCI| = 1,96 gilt nicht als verlässlich.
- Die Tabelle zeigt je Person (Zeile der Daten) Vorher, Nachher, Veränderung, RCI und Einordnung.
Grenzen
- Verlässlich heißt nur: größer als der Messfehler. Ob die Veränderung für die Person bedeutsam ist (klinische Signifikanz), zeigt der RCI nicht; einen Cut-off rechnet Statable nicht.
- Der RCI beurteilt einzelne Personen. Ob eine Maßnahme wirkt, zeigt er nicht: Dafür braucht es eine Vergleichsgruppe. Extreme Vorher-Werte verändern sich schon durch Regression zur Mitte.
Abgrenzung zum Typical Error
Der Typical Error beschreibt die Genauigkeit der Messung selbst, aus zwei Messungen derselben Personen ohne Eingriff, und braucht keine Reliabilität. Der RCI beurteilt, ob sich eine einzelne Person verlässlich verändert hat. Mehr im Artikel „Messgenauigkeit: Typical Error“.
Quelle
Jacobson, N. S. & Truax, P. (1991). Clinical significance: A statistical approach to defining meaningful change in psychotherapy research. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 59(1), 12-19.